Klassifizierung der Tulpen

In der Hochzeit der Tulpenzucht zum Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der Tulpensorten ständig zu. Gleichzeitig wurden viele Tulpen unter verschiedenen Namen angeboten. Manche Sorten sollen unter bis zu sechs Bezeichnungen bekannt gewesen sein. Die Tulpen wurden Mitte des 16. Jahrhunderts nach ihrer Blütezeit in drei Gruppen unterteilt. Frühe Tulpen blühen Mitte bis Ende April, mittelfrühe blühen Ende April bis Anfang Mai und späte Sorten blühen im Mai. Da die Tulpenblüte abhängig vom Klima ist, ist für diese Einteilung der Blütezeitpunkt auf Vergleichsflächen im Themsetal ausschlaggebend.

Auf der Suche nach einem System

1913 beschloss die britische Royal Horticultural Society ein britisch-niederländisches Komitee einzurichten, das die Tulpen klassifizieren und Synonyme beseitigen sollte. Dieses Komitee trat erstmals 1914 zusammen. Es wurden bei britischen und niederländischen Züchtern Unmengen an Mustern bestellt und in Wisley Garden südwestlich von London aufgepflanzt. Die Tulpen wurden im Frühjahr 1915 begutachtet und beschrieben. 1917 wurde dann von der Royal Horticultural Society ein ausführlicher Bericht mit einer Liste der zu bereinigenden Namen und ein Klassifizierungsvorschlag vorgelegt. Es gab darin 14 Klassen.

Tabelle: Erste Klassifizierung aus dem Jahr 1917

Gruppe Klasse Klassenbezeichnung
Gruppe 1:

Frühblühend

1 Duc-van-Tol-Tulpen
2 Einfache Frühe Tulpen
3 Gefüllte Frühe Tulpen
Gruppe 2:

Maiblühend

4 Cottage-Tulpen
5 Holländische Floristentulpen
6 Englische Floristentulpen
7 Darwintulpen
8 Geflammte Holländische Floristentulpen
9 Geflammte Englische Floristentulpen
10 Rembrandt-Tulpen (geflammte Darwintulpen)
11 Geflammte Cottagetulpen
12 Papageientulpen
13 Gefüllte Späte Tulpen
Gruppe 3 14 Wildtulpen

Alte und neue Namen

Die Klassifizierung wandelte sich im Laufe der Zeit. Alte Bezeichnungen verschwanden und die heute gebräuchlichen traten an ihre Stelle.

1939 wurde zum ersten Mal eine vollständige Klassifizierungsliste mit bekannten Tulpensorten veröffentlicht. Darin wurde zur ursprünglichen Klassifizierung von 1917 die Gruppe der mittleren Sorten ergänzt und Mendel-Tulpen und Triumph-Tulpen wurden als eigene Klassen eingeführt. Die Floristen-Tulpen wurden in Breeder-Tulpen umbenannt.

Tulpensorten gibt es viele. Entsprechend hilfreich ist eine Klassifizierung.

Tulpensorten gibt es viele. Entsprechend hilfreich ist eine Klassifizierung.

1948 wurde eine zweite vollständige Klassifizierungsliste veröffentlicht. Darin waren die Lilienblütigen Cottage-Tulpen speziell gekennzeichnet, da man sie später zu einer eignen Klasse machen wollte.

Seit 1955 ist die Koninklijke Algemeene Vereeniging von Bloembollencultuur die internationale Registrationsstelle für Tulpensorten und gibt seitdem die Klassifizierungslisten heraus. 1958 wurden die Breederstulpen zusammengefasst und Lilienblüte Tulpen und Darwin-Hybriden wurden zu eigenen Klassen. Die geflammten Tulpen mit Zeichnung auf gelbem Grund wurden als „Bizarren“, und Sorten mit weißer Grundfarbe als „Bijbloemen“ bezeichnet. In der Gruppe der Wildtulpen wurde Klassen für Kreuzungen zwischen Arten eingeführt. Hybriden von Tulipa eichleri, Tulipa fosteriana, Tulipa kaufmannian, Tulipa majorlettii, Tulipa batlinii und Tulipa tubergeniana wurden jeweils eigenständige Klassen.

Seit 1969 haben aber nur noch die Kaufmannia-, Fosteriana- und Greigii-Tulpen eigene Klassen. Die übrigen wurden wieder in die Wildtulpen eingegliedert. Die Duc-van-Tol-Tulpen wurden mit den einfachen frühen Sorten zusammengefasst. Die Breeders-Tulpen wurden nach der Form ihrer Blüten auf die Cottage-, Triumph- und Darwin-Hybridtulpen aufgeteilt. Sämtliche geflammten Sorten fasste man nun zu Rembrandt-Tulpen zusammen.

Die Klasse der Mendel-Tulpen wurde 1981 aufgelöst. Die frühen Sorten der Klasse wurden von da an zu den einfachen frühen Tulpen gezählt und die später blühenden zu den Triumph-Tulpen. Aus den Darwin- und Cottage-Tulpen wurde die Klasse der einfachen späten Tulpen. Sorten mit grünen Streifen wurden als Viridiflora-Tulpen klassifiziert und auch die gefransten Tulpen bekamen eine eigene Klasse.

Die Duc-van-Tol-Tulpen, die Mendel-Tulpen und die Cottage-Tulpen sind heute keine eigenständigen Klassen mehr. Diese Tulpengruppen spielten in der frühen Tulpenzucht aber eine große Rolle. So sind die Namen Liebhabern von historischen Sorten bis heute ein Begriff.

Die heutigen Tulpenklassen

Heute gibt es etwa 4200 verschiedene Tulpensorten. Sie werden in 15 Klassen unterteilt. Dabei findet die Klasse der Rembrandt-Tulpen heute kaum noch Beachtung. Sie ist die einzige, bei der die Zuordnung nach dem Muster der Blüten erfolgt. Geflammte Tulpen findet man heute aber in allen Tulpenklassen.

Gruppe Klasse Klassenbezeichnung
Frühe Tulpen 1 Einfache Frühe Tulpen
2 Gefüllte Frühe Tulpen
Mittlere Tulpen 3 Triumph-Tulpen
4 Darwin-Hybrid-Tulpen
Späte Tulpen 5 Einfache späte Tulpen
6 Lilienblütige Tulpen
7 Gefranste Tulpen
8 Viridiflora-Tulpen
9 Rembrandt-Tulpen (geflammte)
10 Papageientulpen
11 Gefüllte Späte Tulpen (paeonienblütige)
Wildtulpen 12 Kaufmannia-Tulpen
13 Fosteriana-Tulpen
14 Greigii-Tulpen
15 Andere Wildtulpen

Einen Überblick über die Merkmale der einzelnen Klassen und einige Sorten-Beispiele finden Sie in unserem Tulpen-Lexikon.

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